Methodik & Quellen
Die Ausgangszahl
Grundlage ist das statistische Erkrankungsrisiko in Deutschland nach Alter und Geschlecht, veröffentlicht vom Zentrum für Krebsregisterdaten am Robert Koch-Institut in „Krebs in Deutschland“ (Tabelle 3.1.2, ICD-10 C00–C97 ohne C44). Über alle Altersgruppen hinweg liegt das Lebenszeitrisiko bei 52 % für Männer und 44 % für Frauen.
Der beeinflussbare Anteil
Eine Arbeitsgruppe um Hermann Brenner am Deutschen Krebsforschungszentrum hat 2018 für Deutschland berechnet, welcher Anteil der Krebsneuerkrankungen auf einzelne beeinflussbare Faktoren zurückgeht. Ergebnis: 37,4 % aller Fälle — rund 165.000 pro Jahr.
Die Gewichtung der Fragen folgt diesen Anteilen:
- Rauchen19 %
- Übergewicht7 %
- Bewegungsmangel6 %
- Zu wenig Ballaststoffe3 %
- Verarbeitetes & rotes Fleisch2,4 %
- Alkohol2 %
- Zu wenig Gemüse & Obst2 %
- UV-Strahlung & Solariumca. 1 %
Die Rechnung
Deine Antworten werden je Faktor auf eine Skala von 0 (optimal) bis 1 (ungünstigster realistischer Wert) übersetzt. Aus dem Anteil oben und der Häufigkeit des Faktors in Deutschland ergibt sich, wie stark er das Risiko steigen lässt. Die Faktoren werden dann multipliziert, nicht addiert — so, wie unabhängige Risikofaktoren tatsächlich zusammenwirken:
Faktor = 1 + Anteil ÷ ((1 − Anteil) × Durchschnitt) × dein Wert
Wer genau im deutschen Durchschnitt liegt, bekommt exakt die Ausgangszahl zurück. Wer bei jedem Faktor optimal abschneidet, landet beim Produkt aller Anteile: 0,637. Dass dieser Wert unabhängig fast genau die 37 % des Krebsforschungszentrums trifft, ist die wichtigste Kontrolle, die wir am Modell haben — beide Zahlen entstehen auf völlig verschiedenen Wegen.
Zum Schluss wird das Ergebnis nicht einfach mit der Ausgangszahl multipliziert, sondern über 1 − (1 − Ausgangszahl)^Faktor verrechnet. Sonst käme bei ungünstigen Profilen ein Risiko von über 90 % heraus — ein Wert, den es nicht geben kann, weil niemand mehrfach erkrankt und weil andere Todesursachen dazwischenkommen.
Die Durchschnittswerte für Deutschland stammen aus dem Mikrozensus 2025 (Körpergewicht) und den RKI-Studien GEDA (Rauchen: 33,9 % der Männer und 24,0 % der Frauen rauchen; Bewegung, Alkohol).
Was der Test nicht kann
- Er sagt nichts über dich aus, sondern über Menschen mit deinem Profil. Ob du selbst erkrankst, ist damit weder vorhergesagt noch ausgeschlossen.
- Er fragt bewusst nicht nach Vorerkrankungen, Symptomen, Medikamenten oder Krebsfällen in der Familie. Damit fehlen echte Risikofaktoren — insbesondere die familiäre Vorbelastung. Der Test bleibt dafür ein Lebensstil-Check und wird nicht zum medizinischen Instrument.
- Er ersetzt keine ärztliche Beratung und keine Früherkennungsuntersuchung. Die gesetzlichen Früherkennungsprogramme sind das, was tatsächlich Leben rettet.
- Das Modell ist eine Vereinfachung. Es rechnet mit Bevölkerungsdurchschnitten, nicht mit individueller Biologie, und die Umrechnung der Antworten in Belastungswerte beruht in Teilen auf begründeten Annahmen.
Quellen
- Robert Koch-Institut / Zentrum für Krebsregisterdaten: Krebs in Deutschland
- Brenner H. et al.: The Burden of Cancer in Germany, Dtsch Arztebl Int 2018
- Mons U. et al.: Cancers Due to Smoking and High Alcohol Consumption, Dtsch Arztebl Int 2018
- Behrens G. et al.: Cancers Due to Excess Weight, Low Physical Activity, and Unhealthy Diet, Dtsch Arztebl Int 2018
- Gredner T. et al.: Cancers Due to Infection and Selected Environmental Factors, Dtsch Arztebl Int 2018
- RKI, GEDA 2019/2020-EHIS: Rauchverhalten und Passivrauchbelastung Erwachsener
- Statistisches Bundesamt: Mikrozensus 2025, Körpermaße der Bevölkerung